Teil 3: Spielzeug selber nähen- so einfach ist es eben (nicht)!

Die praktische Umsetzung und das Testverfahren

Der dritte und letzte Teil, befasst sich mit Schlagprüfungen, Zugtests und Drehmomenttests sowie damit, worauf ich als Verbraucher beim Kauf von Spielzeug achten sollte!

Zuerst muss eine Risikobewertung bzw. eine Sicherheits- und Konformitätsbewertung des Produktes, welches verkauft werden soll, angefertigt werden. Diese beinhaltet unter anderem eine Zusammenfassung möglicher Risiken, jener Produkte, welche verkauft werden sollen (z.B. Schadstoffe, die sich aus den Garnen, Stoffen etc. lösen könnten, wenn es ein Kind in den Mund nimmt oder Kleinteile, die sich beim Spielen lösen könnten).

 

Des Weiteren muss eine Technische Dokumentation angefertigt werden, welche das Einholen und Dokumentieren von Materiallisten und Materialzertifikaten (die verwendeten Materialien dürfen gewisse Grenzwerte von Schadstoffen, wie zum Beispiel Blei, Cadmium, Selen usw. nicht überschreiten) beinhaltet. Hier können sehr gute Grundkenntnisse in Materialkunde bzw. Textilkunde von Vorteil sein, weil nur bestimmte Textilsiegel diesen Anforderungen gerecht werden! Es gilt auch hier, die Zertifizierungen und Textilsiegel genau zu prüfen und gegebenenfalls von den Stoffherstellern eine Erklärung verlangen über die Konformität zu den DIN EN 71-Normen oder man verlangt beim Hersteller eine Liste mit den erforderlichen chemischen Zusammensetzungen des Stoffes, welchen ihr verwenden wollt (http://www.ce-zeichen.de/templates/ce-zei/normen/spielzeug-stoffe-2005-84-eg.pdf), und überprüft diese selber nach den erforderlichen Grenzwerten zur Spielzeugherstellung.

 

Nicht zu vergessen ist die genaue Beschreibung der Herstellungsweise des Spielzeuges, welche ebenfalls gemacht werden muss! Schritt für Schritt muss die Herstellung des Produktes dokumentiert werden und infolgedessen, müssen dann alle gleichen Produkte genau auf diese Art und Weise hergestellt werden, damit sie als sicher gelten (hier sind Fotos der Herstellung sehr hilfreich).

 

Fähigkeiten als Chemie- und Physiklaboranten (bzw. reicht es auch aus, wenn ihr im Chemie- und Physikunterricht gut aufgepasst habt ;-), sind auch im nächsten Schritt klar von Vorteil! Denn die technische Dokumentation von genähtem Spielzeug beinhaltet auch Tests wie z.B. Schlagprüfungen (hier werden Risiken für mögliche Kleinteile getestet), Zugtests, Drehmomenttests und Entflammbarkeitsprüfungen der Stoffe sowie des fertigen Produktes (je nach Produkt ist diese Liste zu ergänzen bzw. fallen auch Teile davon weg). Die Ergebnisse müssen dann genau in schriftlicher Form festgehalten werden (am besten mit Fotos und Videomaterial).

 

Wenn alle Tests bestanden sind, muss das getestete fertige Produkt anhand eines Etikettes, welches fest mit dem Spielzeug verbunden sein muss, mit dem CE-Kennzeichen, versehen werden. Jedoch ist hier wiederum Vorsicht geboten, weil das Etikett selber auch konform zu sein hat (und bereits in die Tests wie z.B. Zugtest etc. miteinbezogen werden muss)! Diese Tests und Prüfungen inkl. Technischer Dokumentation, müssen für jedes einzelne Spielzeug gemacht werden! Sind die Tests nicht positiv verlaufen, muss man als HerstellerIn seine Anfertigungsweise neu überarbeiten und verbessern, solange, bis alles ordnungsgemäß hergestellt ist und dann diese Tests erneut durchführen.

 

Vierter und letzter Teil stellt dann die Ausstellung und das Unterschreiben der EG-Konformitätserklärung dar, in welcher ihr als Spielzeughersteller bestätigt, dass die selbstgenähten Spielsachen nach EU-Richtlinien geprüft und hergestellt sind und somit als sicheres Spielzeug gelten (Quelle: http://www.ce-zeichen.de/klassifizierung/spielzeugrichtlinie.html).

 

Gut, war doch einfach oder?! Wenn ihr das Gefühl habt, dass das ein Klacks war, dann seid ihr bereit für den Spielzeugherstellungsdschungel! Also los – ran an das Spielzeug! Denn eine Nichtdurchführung ist bei weitem kein Kavaliersdelikt! Hohe Abmahnkosten (im 4-Stelligen Bereich!) und sogar Freiheitsstrafen können die Folgen sein (https://www.it-recht-kanzlei.de/Thema/ce-kennzeichen.html).

 

Noch eine grundsätzliche Frage: Was kann ich nun als Mama tun, um sicher zu gehen, dass das gekaufte Spielzeug aus Handarbeit auch wirklich sicher ist? Ich achte auf eine CE-Kennzeichnung! Als Mama und Verbraucher, sollte ich explizit darauf achten, dass mein erworbenes Spielzeug auch wirklich sicher ist und auch bereit sein, für individuell angefertigtes Spielzeug ein wenig tiefer in die Tasche zu greifen!

 

Lg eure Frau HuPe

 

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